Portland

Ich habe es bis Portland geschafft. Ich wollte dahin, weil dieStadt für mich einen sehr alternativen Ruf hat. Gutes Essen, gute Musik-Szene, gute Bier-Szene. Ich habe aber nicht vorbereitet und mir den Luxus erlaubt, einfach hinzufahren und zu schauen, was so kommt.

Untergekommen bin ich in den Stadtteil Hawthorne, in einer WG, in der Zimmer über Airbnb vermietet werden. Hatte auch etwas abenteuerliches. Schwer zu beschreiben. In den Wohnung im EG wurde Klavierunterricht gegeben und es wurden Teile das Wohltemperierten Klaviers morgens geübt. Tagsüber vorbei an viel Alternativem, Metall-Konstruktionen, Brücken, Food-Carts,…. Abends mit minimaler Technik organisierte Konzerte von Alternative bis Punk. In dem einen Zimmer der WG gab es auch Stoff, doch eher überraschend für einen Deutschen wie mich. Auch in Oregon wie in Kalifornien und anderen Staaten ist Cannabis-Konsum und -Besitz unter unterschiedlichen Regeln erlaubt.

Ich habe an einer Stadtführung teilgenommen. Da ich der einzige Teilnehmer war, ergab sich mit der netten Leiterin ein intensive Diskussion über das öffentlich und politische Leben. So alternativ Teile von Portland sein mögen, so rechts ist dagegen die Polizei dort. Der abgesetzte, rechtsradikale Chef klagte sich zurück in seinen Job, nur wenige Polizisten tragen – freiwillig – ein Kamera beim Einsatz. In dem zentralen Shemanski-Park wurden die Statuen von Lincoln und Roosevelt während einer Demonstration von ihren Sockeln geholt. Siehe “hier”. Beide Präsidenten wurde heutzutage durchaus als Rassisten durchgehen, vor allem bzgl. ihrer Aussagen zu den Indigenous Bevölkerung. Stattdessen gibt es nun eine kreativere Skulptur im Park, die nur vorübergehend bleiben sollte. Danach habe ich noch an einer Veranstaltung im Park teilnehmen können, die von Indigenen veranstaltet wurde. Ein Satz oder Ausruf tauchte immer wieder auf – der sich bei mir schon fest eingeprägt hat: “Land back!”. Es spielte auch eine indigene Punk-Band. Insgesamt hat sich bei mir so sehr bestätigt, dass dieses riesige Land so viel Möglichkeiten hat, zu wenig daraus macht und gleichzeitig so viel tiefgründige Baustellen hat.

Neben dem Shemaski-Park liegen auch die Gebäude der Oregon Historical Society. Auf dem einen Gebäude ist ein grosses Mural, dass vom Stil her an die “offizielle Kunst” in der DDR erinnert. Hier stand ich mit meiner Stadtführerin länger davor, weil hier etwas besonderes zu sehen war. Es erinnert eine berühmte Expedition in den Westen der USA dar. An dieser nahm eine Indianerin mit dem Namen Sacagawea teil, die massgeblich am Erfolg der Expedition beteiligt war und deswegen berühmt ist. Weniger berühmt ist dagegen der Sklave York, der hier tatsächlich aber mit abgebildet ist, sonst aber wohl gerne unerwähnt oder ignoriert bleibt. Es war für viele Indigene einer der ersten Farbigen, den sie gesehen haben. Im Anschluss an die Erläuterung der Stadtführerin fragte mich, ob es in Deutschland eigentlich immer noch dieses kitschige Indianer-Ding mit Aufführungen geben würde. Peinlich berührt musste ich zugeben, dass dem genau so ist, ich selbst als Kind 5 Bücher von Karl May gelesen hatte, dieser nie vorher in den USA gewesen war. Auf ihrer Seite vollkommenes Unverständnis – und nach allem, was ich gelesen habe, nachzuvollziehen. (z.B. “Die ersten Amerikaner” von Thomas Jeier, Kopp-Verlag, sehr lesenswert da sehr gut recherchiert)

Hier die Bilder zum ganzen Gerede 😉

Mister 42 (nicht abgebildet: leerer Sockel)

Brücken

Murals

Auffällig viele Metallskulpturen

Indigene Punk-Band mit Gebärden-Sprachen-Übersetzer*in und Fan

Das kleine Eckzimmer in der WG

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